GELEBTE
KULTUR IN
OBERÖSTERREICH

GESCHICHTE DES OÖ. FORUMS VOLKSKULTUR

Das OÖ. Forum Volkskultur wurde im Jahr 1992 als Interessensvertretung aller volkskulturellen Verbände im Bundesland Oberösterreich gegründet. Hofrat Dr. Dietmar Assmann als damaliger Leiter des Instituts für Volkskultur am Land Oberösterreich hatte die Idee zur Schaffung dieser Plattform. Bei Wahrung der Selbstständigkeit der einzelnen Mitgliedsverbände sollte die Volkskultur in Oberösterreich durch das Forum Volkskultur gestärkt und weiterentwickelt werden. Ein gemeinsames Auftreten sollte die Volkskultur im Bewusstsein der Bevölkerung, bei öffentlichen Stellen und vor allem auch bei Medien stärker verankern. Die Verbände sollten vernetzt werden sowie kooperative Projekte erarbeitet und umgesetzt werden.

Bei der Sitzung am 1. Oktober 1992 einigte man sich auf die Organisationsform einer losen Arbeitsgemeinschaft. Auf Vorschlag von Frau Anneliese Ratzenböck wurden Hans Samhaber als Vorsitzender und HR Dr. Karl Pömer als sein Stellvertreter einstimmig gewählt: Aus Gründen der öffentlichen Wirksamkeit wurden beide Funktionen dann bald in Präsident und Vizepräsident umbenannt. Zu diesen gesellten sich in einem Arbeitsausschuss ein Jahr später Fritz Hagendorf und Josef Hirz (Schriftführer), Walter Kump (Kassier), Dr. Gerhard Gaigg (Pressereferent) und HR Assmann (ab 1997 Dr. Alexander Jalkotzy). Die brennendste Frage am Anfang des Weges war, wie man den Zusammenhalt der einzelnen Verbände und ihre aktive Mitwirkung am besten gestalten sollte. Man einigte sich darauf, neben dem gewählten Vorstand einen Leitungsausschuss aus je einem von jedem Verband nominierten Vertreter zu installieren und sich mindestens zweimal im Jahr zu treffen. So war der Informationsfluss garantiert und die Mitsprache aller Verbände gewährleistet. Dieses Konstrukt hat sich hervorragend bewährt und hält bis heute. Im Jahr 1995 erfolgte die Umwandlung von einer losen Arbeitsgemeinschaft in einen Verein.

Aus einer Veranstaltungsreihe „Erlebnis Volkskultur“ im Oktober 1993 entwickelte sich das „Fest der Volkskultur“, das mittlerweile zu einer Marke geworden ist. Am 29. Oktober 1995 wurde es erstmals in St. Marienkirchen am Hausruck mit mehr als 1.000 Besuchern gefeiert. Nun wird es in einem Zweijahresintervall in einer Gemeinde, die sich um die Ausrichtung bewirbt, durchgeführt. Von Anfang an lag der inhaltliche Schwerpunkt dieser Feste darin, jedem der Verbände die Möglichkeit zur Präsentation zu bieten.

Ein besonderer Glücksfall für das OÖ. Forum Volkskultur war die Einführung der Radiosendung „Gsunga und gspielt – Radio-Forum-Volkskultur“ im Programm von ORF-Radio Oberösterreich, deren Titel und Inhalt mit dem damaligen Redaktionsleiter Mag. Klaus Huber entwickelt wurde. Der Wortlaut „Forum Volkskultur“ war bis Mitte der 2000er-Jahre im Sendungstitel der Volksmusiksendung fest verankert.

Eine umfassende Jahrestagung mit Themenschwerpunkten gehörte von Anbeginn zum Fixum des OÖ. Forums Volkskultur. Zwischen 1993 und 2017 fanden jährlich bzw. zweijährlich Jahrestagungen statt. Kompetente Referenten, Begegnung mit akademisch ausgebildeten Volkskundlern und solchen, die aus der Fülle ihrer täglichen volkskulturellen Praxis schöpfen, Sammeln von Erfahrungswerten und freundschaftliches Zusammensein waren jedes Jahr aufs Neue zum Erleben für zwei Tage. Tagungsorte waren das LFI Linz, Schloss Puchberg und ab 1995 das Stift Reichersberg. Eine kleine Auswahl an Themen und Referenten sollen einen kurzen Einblick in die inhaltliche Ausrichtung der Jahrestagungen geben:

1993    Dr. Ulrike Kammerhofer, Volkskultur als Grundlage kultureller Entfaltung

1994    Univ-.Prof. Dr. Walter Hartinger, Volkskultur = Regionalkultur in engen Grenzen?

1995    Univ.-Prof. Dr. Helmut Renöckl, Unsere Identität in einer multikulturellen Gesellschaft – Heimat als Thema der volkskulturellen Verbände

1996    Univ.-Prof. Dr. Konrad Köstlin, Gesellschaft und Brauchtum

1997    HR Dr. Karl Pömer, Die Kunst im Spannungsfeld von Freiheit und Ordnung

1998    Dr. Franz Rohrhofer, Die Verantwortung der Medien in unserer Gesellschaft

1999    Wolfgang Schlag, Die Vernetzung der Volkskultur am Beispiel Hörfunk – ein multifunktionales und multikulturelles System

2000    Dr. Hans Haid, LR Dr. Walter Aichinger, Ernst Schusser,(Bayern), Bernadette Wakolbinger, 2000 neue Wege in der Volkskultur

2001    Erzbischof Dr. Alois Wagner, Solidarität und Ehrenamt

2002    Mag. Wolf Dorner, Kultur und soziale Kompetenz aus der Sicht der praktischen Arbeit

2003    Dr. Hubert Feichtelbauer Was sind Werte noch wert

2004    HR Dr. Dietmar Assmann, Ausdrucksformen der Volksfrömmigkeit

2005    Dipl.Ing. Wolfgang Danninger, Brauchen wir Dorfentwicklung

2006    Dr. Adelheid Schrutka-Rechtenstamm, Auf der Suche nach Heimat

2007    Univ.Prof. Dr. Walter Hartinger, Leben mit Bräuchen auch heute?

2008    Mag. Andreas Gruber, „Mitgebracht“ – Betrachtungen zu Migration und Integration

2009    Dr. Gexi Tostmann, Das Gwand – zurück in die Zukunft

2011    Dr. Petra Streng, Wo drückt der Schuh? Volkskultur zwischen Tradition und Moderne

2013    Dr. Roswitha Orac-Stipperger, Textile Botschaften verstehen. Tracht zwischen Funktion und Zeichenhaftigkeit

2015    ao. Univ. Prof. Dr. Olaf Bockhorn, Von Sgraffiti zu Graffiti

2017    Dr. Christian Schacherreiter, Volkskultur macht Mode – ein kritischer Blick

Im Bestreben, den Wert der Volkskultur zu steigern und sie als Segment der Gesamtkultur auch im Blickfeld der Öffentlichkeit zu etablieren, war es unbedingt notwendig, Fortbildung nicht nur im fachspezifischen Bereich der Verbände anzubieten, sondern von Grund auf die Fragen und Probleme der Zeit anzusprechen und die dafür notwendigen Einstiege und Schulungen zu ermöglichen. Konsulent Johann Pammer, der damalige Obmann des Volksbildungswerkes, gebar die Idee, eine Akademie der Volkskultur ins Leben zu rufen. Die organisatorische Arbeit sollte das Volksbildungswerk übernehmen, für die inhaltliche Ausrichtung ein Akademiebeirat verantwortlich zeichnen. Was 1999 erstmals angesprochen wurde, stand im Herbst 2000 vor der Verwirklichung. Schon in den ersten zehn Jahren zählte man mehr als 10.800 Teilnehmer in mehr als 600 Kursen. Mehr als 100 zertifizierte HeimatforscherInnen, und mehr als 100 MuseumskustodInnen sowie über 20 AbsolventInnen der „Schule des Sehens“ sind in diesem ersten Zeitraum daraus hervorgegangen.

Im Jahr 2007 übergab Gründungsmitglied und erster Präsident des OÖ. Forums Volkskultur Hans Samhaber sein Amt an seinen Nachfolger Konsulent Herbert Scheiböck.

Hans Samhaber als Ehrenpräsident ist Namensgeber der 2015 erstmals überreichten Professor-Hans-Samhaber-Plakette. Mit dieser Auszeichnung sollen Menschen bedacht werden, die unermüdlichen Einsatz für die Volkskultur in Oberösterreich zeigen.  

 

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Das OÖ. Forum Volkskultur ist die Interessensvertretung der OÖ. Volkskultur. Menschen für Volkskultur zu begeistern, sie zu vernetzen, auf die Lebendigkeit und Vielfalt hinzuweisen sowie die volkskulturelle Arbeit zu unterstützen, ist seine Aufgabe. 

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