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OÖ. Forum Volkskultur   20 JAHRE OÖ. FORUM VOLKSKULTUR         
  Text von Ehrenpräsident OSR Prof. Kons. Hans Samhaber         
OÖ. Forum Volkskultur  

„Ja damals!“ ….. Man schrieb das Jahr 1992. Das Institut für Volkskultur war noch eine selbstständige Abteilung im Bereich der Gesamtkultur unseres Bundeslandes. Hofrat Dr. Dietmar Assmann als Chef dieser Abteilung hatte die Idee zur Gründung des OBERÖSTERREICHISCHEN FORUMS VOLKSKULTUR. Landesrat  Dr. Josef Pühringer, von der Idee begeistert, machte sie als Kulturlandesrat zu seinem eigenen Anliegen, und die Vertreter der volkskulturellen Verbände zeigten sich sogleich als Mitstreiter für diese gute Sache. Wenn bei so vielen Kräften das Wollen und das Miteinander gelten, steht einem Start nichts mehr im Wege.

Am 17.Juni traf man sich im Landeskulturzentrum Ursulinenhof zur ersten gemeinsamen Aussprache. Das Protokoll vermeldet: In einer kurzen Einführung  umreißt LR Dr. Pühringer die Bedeutung eines Zusammenschlusses der volkskulturellen Verbände. Wichtig ist eine gemeinsame Darstellung der volkskulturellen Anliegen nach außen hin, eine qualifizierte Arbeit und ein gemeinsames Vorgehen gegen eine missbräuchliche Verwendung unserer Volkskultur…………Durch den Zusammenschluss der Verbände soll der Kontakt untereinander intensiviert werden. Volkskultur ist ein wichtiger Bereich der Landeskultur, spielt aber auch im Europa der Regionen eine wichtige Rolle. Es soll keine europäische Einheitskultur entstehen, sondern die Vielfalt und Eigenheit sind zu bewahren.

Bei Wahrung der Selbstständigkeit der einzelnen Mitgliedsverbände ging es darum, die gemeinsamen Interessen zur Stärkung und Weiterentwicklung der Volkskultur in Oberösterreich und die gegenseitige Information zu intensivieren; die rechtlichen, finanziellen und organisatorischen Bedingungen für die Belange der Volkskultur zu verbessern; durch ein gemeinsames Auftreten die Volkskultur im Bewusstsein der Bevölkerung, bei öffentlichen Stellen und vor allem auch bei den Massenmedien besser und stärker zu verankern; die rechtlichen, finanziellen und organisatorischen Bedingungen für die Belange der Volkskultur zu verbessern; kooperative Projekte zu erarbeiten und durchzuführen.

Bei der Sitzung am 1.Oktober 1992 einigte man sich auf die Organisationsform einer losen Arbeitsgemeinschaft. Auf Vorschlag von Frau Anneliese Ratzenböck wurden Hans Samhaber als Vorsitzender und HR Dr. Karl Pömer als sein Stellvertreter einstimmig gewählt: Aus Gründen der öffentlichen Wirksamkeit wurden beide Funktionen dann bald in Präsident und Vizepräsident umbenannt. Zu diesen gesellen sich in einem Arbeitsausschuss ein Jahr später Fritz Hagendorf und Josef Hirz (Schriftführer), Walter Kump (Kassier), Dr.Gerhard Gaigg (Pressereferent) und HR Assmann (ab 1997 Dr.Alexander Jalkotzy). Von unschätzbarem Wert war es, dass die Abwicklung der organisatorischen Geschäfte und der finanziellen Angelegenheiten in den Händen des Institutes für Volkskultur lagen. Wie hätte sonst so ein das ganze Land erfassende „Werkl“, getragen von lauter Ehrenamtlichen,  zu laufen beginnen und entsprechend funktionieren können!

Wo Menschen mit Begeisterung an einem Strang ziehen, sprießen Gedanken wie aus einem frischen Quell und entwickeln sich zu konkreten Plänen. Die brennendste Frage am Anfang des Weges war, wie man den Zusammenhalt der einzelnen Verbände und ihre aktive Mitwirkung am besten gestalten sollte. Man einigte sich darauf, neben dem gewählten Vorstand einen Leitungsausschuss aus je einem von jedem Verband nominierten Vertreter zu installieren und sich mindestens zweimal im Jahr zu treffen. So war der Informationsfluss garantiert und die Mitsprache aller Verbände gewährleistet. Dieses Konstrukt hat sich hervorragend bewährt und hält bis heute. Es liegt in der Natur der Sache, dass der Vorstand sehr bald mit weiteren Funktionsträgern und Beiräten erweitert und dem mehrfach geäußerten Wunsch Rechnung getragen wurde, die lose Arbeitsgemeinschaft in einen Verein umzuwandeln (1995).

Aus der Idee, ist ein Dachverband mit über 100 000 Aktiven in folgenden 24 Verbänden geworden (Stand 2012):

OÖ Blasmusikverband
Chorverband Oberösterreich
Österreichischer Arbeitersängerbund, Landesgruppe Oberösterreich
OÖ Volksliedwerk
OÖ Goldhauben-, Kopftuch- und Hutgruppen
Heimat- und Trachtenvereine OÖ
Verband der Heimat- und Trachtenvereine Salzkammergut
OÖ Prangerschützenverband
Landesverband der Bürgergarden und Schützenkompanien
Amateurtheater Oberösterreich
Verband Österreichischer Amateurfotografenvereine, Landesverband OÖ
Arbeitsgemeinschaft österreichischer Lichtbildner
Stelzhamerbund
Arbeitskreis Freunde der Volkskunst
Landesverband Oberösterreich des Verbandes der Krippenfreunde Österreichs
Arbeitskreis für Klein- und Flurdenkmalforschung
Verband OÖ Freilicht museen
OÖ Volksbildungswerk
OÖ Heimatwerk – Trachten, Tradition und Brauchtum GmbH
Landjugend OÖ
Verbund oberösterreichischer Museen
Arbeitsgemeinschaft Regional- und Heimatforschung OÖ
Salzkammergutverband der Vogelfreunde
Kulturverein der Heimatvertriebenen in Oberösterreich

Erlebnis Volkskultur war der Titel einer Veranstaltungsreihe, die vom 1.-10.Oktober 1993 erstmals die einzelnen Verbände im ganzen Land veranstalteten. Eigentlich war es kein Neuland, das hier betreten wurde, da ja schon bisher derartige Veranstaltungen Gepflogenheit zahlreicher Vereine waren und der Reiz des Neuen fehlte. Zudem war es offensichtlich nicht gelungen, die Medien intensiver einzuspannen. Ein zweiter Versuch im darauf folgenden Jahr gelang zwar etwas besser, von einem Durchbruch konnte dennoch keine Rede sein. Die Stimmen aber, die weg wollten von der Vielzahl an Veranstaltungsorten und daher die Konzentrierung auf einen einzigen vorschlugen, wurden immer lauter. Wo aber findet sich der Ort, der in der Lage ist, ein großes Fest auszurichten, bei dem an einem Tag sich alle Verbände präsentieren können?  Wer hat die Räumlichkeiten, wer hat Erfahrung, wer hat das Personal zur Organisation einer Großveranstaltung? Ich erinnere mich noch an das Gespräch im kleinen Kreis, als ich ratlos nur mit den Schultern zuckte und mehr humorvoll als ernst gemeint in die Runde sagte: „In unserem kleinen Dorf St.Marienkirchen a.H. können wir es nicht machen, das ist doch allzu klein.“ „Warum nicht?“ entgegnete HR Assmann und HR Pömer pflichtete Mut spendend bei. So war der Ort für den „Tag der Volkskultur“, wie er inzwischen heißen sollte, gefunden. Bald einigten wir uns aber auf Fest der Volkskultur, das an einem Tag und an einem Ort durchgeführt werden sollte. Der Titel eines Festes war geboren, der sich im Laufe zweier Jahrzehnte zu einem Markennamen entwickelte und auf den auch die Medien aufgesprungen sind. Noch heute denke ich mit großer Freude daran, wie damals der Bürgermeister, die Gemeindevertretung und  die ganze Bevölkerung unseres kleinen Innviertler Ortes am nördlichen Hausruckrand mit Begeisterung als Mitarbeiter eingestiegen sind und das Fest voll Stolz zu ihrem machten. Schulklassen und Turnsaal, Bauernhöfe und Lagerhaus, kleine Gastzimmer und ein alter Gasthaussaal, der Dorfplatz und die Kirche, Vereine und Einzelpersonen …….alles bot sich an, alle arbeiteten mit, alle sehnten den Tag herbei.

Die Volkskultur lebte an diesem Tag, dem 29.Oktober 1995, dem Tag des 1. Festes der Volkskultur. Die Sonne lachte vom Himmel und die Gesichter der Menschen strahlten mit ihr um die Wette, als Landeshauptmann Dr. Pühringer in die begeisterte Menge hinein rief: „Heute ist St.Marienkirchen die Hauptstadt der Volkskultur.“ Bis lange in die Nacht hinein wurde nach dem offiziellen Schlussfest im Gasthof und auf den Straßen noch musiziert und gesungen, bis die letzten Gruppen und Besucher die Heimreise antraten. Die Volkskultur lebte, das hatten an diesem Tag die mehr als 1000 Besucher mit Leib und Seele empfunden. Ein neues Fest war geboren und es sollte sich von diesem kleinen Anfang mächtig weiter entwickeln. Schon im folgenden Jahr fand das 2. Fest der Volkskultur wiederum in der derselben Gemeinde statt und HR Pömer schlug vor, es künftig immer hier zu belassen. Es setzte sich dann aber doch die Meinung durch, die Art dieser Festgestaltung weiter ins Land hinaus zu tragen. Es dauerte dann auch nicht lange, da trafen von verschiedenen  Gemeinden Bewerbungen und Bitten  um die Ausrichtung des nächsten Festes der Volkskultur ein. So folgten Laussa (1998), Wallern (2000), Hirschbach (2002), Andorf (2004), Steinhaus (2006), Bad Goisern (2008), Kirchberg ob der Donau (2010) und Kopfing (2012). Von Anfang an lag der inhaltliche Schwerpunkt dieser Feste darin, jedem unserer Verbände die Möglichkeit zur Präsentation zu bieten. Es ist ein prächtiges Zeichen lebendiger Volkskultur, beobachten zu können, wie man bestrebt ist, immer neue Wege zu finden und die Aufmerksam auf sich zu lenken. Unglaubliche Kräfte werden geweckt und wirken zusammen: das Umfeld der Gemeinde, Eigenarten des Landstrichs, Lokalkolorit und spezielle Fähigkeiten der Bewohner, Hingabe und Selbstbewusstsein, Bürgermeister, Gemeinderäte und  Ausschüsse, Vereinsvertreter, Pfarrer und Kirchenchor, Künstler, Lehrer und Schulkinder, Persönlichkeiten jedes Standes…… Es ist immer wieder ein beeindruckendes Erlebnis, bei den Vorbereitungsgesprächen dabei zu sein und diese Begeisterung für unsere Volkskultur zu erleben – aus Freude, aus dem Bedürfnis heraus mitzuwirken. Niemand bekommt etwas dafür. Und das in unserer Zeit! Immer mehr Besucher kamen zu den Festen, immer mehr Mitwirkende boten sich an, immer öfter erhielt die Volkskultur mehr Platz in den Medien. Damit stieg aber auch unser Selbstvertrauen.

Doch nichts geht von selbst, es müssen immer mehrere Komponenten zusammenwirken. Für das Forum Volkskultur war es von entscheidender Bedeutung, dass vor jedem Fest der Herr Landeshauptmann zusammen mit dem Forum zu einer Pressekonferenz einlud, zu der die Pressevertreter zahlreich erschienen und unser Fest ausführlich bewarben.

Als besonderer Glücksfall für unser Forum war die Einführung der täglichen Abendsendung von Montag bis Freitag Gsunga und gspielt – Radio Forum Volkskultur im Landesstudio OÖ des ORF. Der ehemalige Chef der Volkskulturabteilung Klaus Huber überraschte mich eines Tages mit der Frage: „Was hältst du davon, wenn wir die volksmusikalische Abendsendung unter dem Titel Radio Forum Volkskultur laufen lassen und dazu aus dem großen Kreis der in der Volkskultur Tätigen jeweils Personen zu Interviews einladen, sie aus ihren Erfahrungen erzählen lassen und Veranstaltungen bewerben.“ Etwas Schöneres und Besseres hätte uns nicht passieren können. Abgesehen davon, dass nun der Wortlaut „Forum Volkskultur“ täglich im Radio überall zu hören war, war uns plötzlich ein unbezahlbares Podium geschenkt. Dafür haben wir zu danken. Dank gebührt allen Verantwortlichen im ORF Oberösterreich und vor allem auch den Moderatoren, die unsere Anliegen zu ihren machten und sich so große Verdienste um das wachsende Ansehen unserer Volkskultur erwarben. Namen wie Dr.Franz Gumpenberger, Sandra Galatz, Walter Egger, Herbert Groß, Greta Hauptmann und anderer haben Wesentliches zum Erfolg dieser Sendung beigetragen.  Mit Günter Hartl, dem Nachfolger von Klaus Huber, der die Tradition dieser Sendung fortsetzte und sich auch sonst aufgeschlossen für unsere Belange zeigt, ist ebenfalls eine ersprießliche  Zusammenarbeit gegeben. Immer wieder hat das Landesstudio Oberösterreich auch zu Podiumsdiskussionen und anderen Veranstaltungen mit Bezug auf die Volkskultur geladen, die neben dem Hörfunk auch im Fernsehen ihren Niederschlag fanden. Bleibt nur die Hoffnung, dass auch künftig im Programmschema der Volkskultur der ihr zustehende Platz eingeräumt wird.

Bereits bei der 1.Sitzung des Leitungsausschusses am 1. Oktober 1992 wurde beschlossen, künftig regelmäßig eine umfassende Jahrestagung mit Themenschwerpunkten abzuhalten, zu der jeder Verband mehrere Vertreter entsenden kann. Was damals wie ein Wunschtraum klang, entwickelte sich zu einem der ganz wesentlichen Jahrestermine. Kompetente Referenten, Möglichkeit zu vielseitiger Aussprache, Begegnung mit akademisch ausgebildeten Volkskundlern und solchen, die aus der Fülle ihrer täglichen volkskulturellen Praxis schöpfen, Sammeln von Erfahrungswerten und freundschaftliches Zusammensein werden jedes Jahr aufs Neue zum Erleben für zwei Tage, die unglaublich viel Kraft und neuen Schwung vermitteln. Tagungsorte wie LFI Linz, Schloss Puchberg und seit 1995 das Stift Reichersberg sorgten und sorgen für entspannte und heimelige Atmosphäre als wesentliches Element zum Erfolg. Eine kleine Auswahl an Themen und Referenten sollen einen kurzen Einblick in die inhaltliche Ausrichtung der Jahrestagungen geben:

1993    Dr.Ulrike Kammerhofer, Volkskultur als Grundlage kultureller Entfaltung

1994    Univ-.Prof. Dr.Walter Hartinger, Volkskultur = Regionalkultur in engen Grenzen?

1995    Univ.-Prof. Dr.Helmut Renöckl, Unsere Identität in einer multikulturellen                                              Gesellschaft – Heimat als Thema der volkskulturellen Verbände

1996    Univ.-Prof. Dr.Konrad Köstlin, Gesellschaft und Brauchtum

1997    HR Dr.Karl Pömer, Die Kunst im Spannungsfeld von Freiheit und Ordnung

1998    Dr.Franz Rohrhofer, Die Verantwortung der Medien in unserer Gesellschaft

1999    Wolfgang Schlag, Die Vernetzung der Volkskultur am Beispiel Hörfunk – ein multifunktionales und multikulturelles System

2000    Dr.Hans Haid, LR Dr.Walter Aichinger, Ernst Schusser,(Bayern), Bernadette Wakolbinger, 2000 neue Wege in der Volkskultur

2001    Erzbischof Dr.Alois Wagner, Solidarität und Ehrenamt

2002    Mag.Wolf Dorner, Kultur und soziale Kompetenz aus der Sicht der praktischen Arbeit

2003    Dr.Hubert Feichtelbauer Was sind Werte noch wert

2004    HR Dr.Dietmar Assmann, Ausdrucksformen der Volksfrömmigkeit

2005    Dipl.Ing. Wolfgang Danninger, Brauchen wir Dorfentwicklung

2006    Dr. Adelheid Schrutka-Rechtenstamm, Auf der Suche nach Heimat

2007    Univ.Prof. Dr.Walter Hartinger, Leben mit Bräuchen auch heute?

2008    Mag. Andreas Gruber, „Mitgebracht“ – Betrachtungen zu Migration und Integration

2009    Dr. Gexi Tostmann, Das Gwand – zurück in die Zukunft

2011    Dr. Petra Streng, Wo drückt der Schuh? Volkskultur zwischen Tradition und Moderne

Zeichen der Zeit: Auch die Jahrestagung ist teilweise dem Sparstift zum Opfer gefallen. Sie soll nur mehr jedes zweite Jahr stattfinden. Nach den bisherigen großartigen Erfahrungen wäre es aber doch überlegenswert, ob sich nicht ein Weg finden ließe, der wieder eine jährliche Ausrichtung der Tagung ermöglicht.

In unserem Bestreben, den Wert der Volkskultur zu steigern und sie als Segment der Gesamtkultur auch im Blickfeld der Öffentlichkeit zu etablieren, war es unbedingt notwendig, Fortbildung nicht nur im fachspezifischen Bereich der Verbände anzubieten, sondern von Grund auf die Fragen und Probleme der modernen Zeit anzusprechen und die dafür notwendigen Einstiege und Schulungen zu ermöglichen.

Es war das unbestreitbare Verdienst des damaligen Obmanns des Volksbildungswerkes, Konsulent Johann Pammer, mit der Idee aufzuwarten, eine Akademie der Volkskultur ins Leben zu rufen. Dr. Alexander Jalkotzy vom Institut für Volkskultur und ich als Forumspräsident waren davon begeistert und im Handumdrehen begannen wir mit der Planung und Ausarbeitung des Programms. Die organisatorische Arbeit sollte das Volksbildungswerk übernehmen, für die inhaltliche Ausrichtung ein Akademiebeirat  verantwortlich zeichnen. Um die dafür notwendigen Mittel des Landes zu erbitten, wurde im Fachbeirat 4 der Vorschlag eingehend diskutiert und das Plenum hieß es ebenfalls gut. Was 1999 erstmals angesprochen wurde, stand im Herbst 2000 vor der Verwirklichung.

Ein Rückblick auf die ersten zehn Jahre seit Bestehen der Akademie zeigt, dass 618 Kurse mit rund 1000 Kurstagen veranstaltet wurden. 10797 Menschen haben daran teilgenommen. 100 zertifizierte Heimatforscher/innen, 109 Museumskustod/innen und 208 Absolvent/innen der „Schule des Sehens“ sind daraus hervorgegangen. Allein im Arbeitsjahr 2011/2012 wurden insgesamt 61 Kurse angeboten.

Fünf  Säulen tragen im Wesentlichen die ganze Akademie:

1. Heimatforschung und Landeskunde
2. Regionalkultur
3. Kreativität
4. Vereinsarbeit
5. Diskussionsforen Volkskunde – Volkskultur

Eine Besonderheit des Programms ist die „Akademie auf Rädern“: (Fast) alle Angebote der Akademie können ab einer Teilnehmerzahl von fünf Personen unabhängig vom Seminarort gebucht werden – die Akademie der Volkskultur organisiert die Seminare für jeden Ort in ganz Oberösterreich. Kosten und Preise werden je nach Seminarinhalt und Teilnehmer/innen vereinbart. Ein Angebot, das sich sehen lassen kann!

„Gut Ding braucht Weile!“ Ein altes Sprichwort verkündet diese mit großem Wahrheitsgehalt gesegnete Volksweisheit. Sie trifft genau zu auf das Haus der Volkskultur. Schon im Protokoll der 1.Sitzung des Leitungsausschusses vom 1. Oktober 1992 – bei der Gründungssitzung also - steht unter Punkt 3 (Berichte aus den Organisationen und Verbänden): „:BLASMUSIKVERBAND - Ein Haus der Volkskultur soll forciert werden.“

Auf der Suche nach geeigneten Objekten und hoffnungsvollen Ausblicken in Attnang Puchheim und Aspach kam es in der Stadt Ried mit dem damaligen Bürgermeister Dr. Nagele bereits zu einem zielführenden Gespräch. Bei der anschließenden Befragung der Verbände stiegen aber dann plötzlich Zweifel über Auslastung, Führung und Erhaltung auf und die anfängliche Begeisterung schwächte sich allmählich ab. Gründe gab es auch dafür: manche Verbände hatten bereits ihre festen Sitze als Verbandslokal. Für Kurse und Seminare standen ohnehin Bildungshäuser des Landes zur Verfügung und die noch ungewisse Aufbringung der Kosten schreckte ab. So vergingen die Jahre ohne weitere Anstrengungen, hatten wir und zahlreiche Verbände doch bereits ein Büro im Ursulinenhof vom Land Oberösterreich zugeteilt bekommen. Aller Sorgen enthoben, glaubten wir, eine wunderschöne Heimstatt in diesem ehrwürdigen, prächtigen Gebäude für alle Zeiten zu haben. Da tauchten gelegentlich Gerüchte auf, die davon sprachen, der U-Hof würde künftig ausschließlich von Organisationen mit zeitgenössischer Kulturarbeit belegt. Eines Tages war es wirklich so weit  und wir mussten das Feld zu räumen.  Aber! Der Herr Landeshauptmann und seine Berater hatten bereits einen Ersatz für uns gefunden, der gar nicht mehr als solcher gesehen wird, sondern zu einem echten Haus der Volkskultur mit unserer Geschäftsstelle geworden ist. Seine Adresse: Haus der Volkskultur, Promenade 33, 4021 Linz. Hier haben wir eine neue Bleibe gefunden, ein architektonisch schönes, ehrwürdiges Gebäude, ein echtes Haus der Volkskultur. Ein langer Wunsch war also doch in Erfüllung gegangen. Wir fühlen uns hier wohl und sind dankbar. Es gehört eben auch zum Wesen der Volkskultur, Ruhe zu bewahren und nicht immer gleich aufzuschreien. Die räumliche Nähe zu den Mitarbeitern in der Abteilung Kunst und Volkskultur bei der Landeskulturdirektion ist ja kein Nachteil.

Der Vorstand 2012 Bei der Vielzahl an Aktivitäten bedarf es heute eines Teams von Mitarbeitern, Mitgestaltern, Mitdenkern. Die Generalsekretärin Dr. Elisabeth Mayr-Kern (Vorgänger in dieser Position Hubert Igelsböck), sowie der Geschäftsführende Obmann Dr. Paul Stepanek (ehemaliger Landeskulturdirektorstellvertreter) und Dr. Alexander Jalkotzy (Leiter der Abteilung Volkskultur) sind die kompetenten Personen, die heute dem Forumspräsidenten Herbert Scheiböck und seinen Vorstandsmitgliedern Karlheinz Sandner und Brigitte Heilingbrunner (Vizepräsidenten), Fritz Hagendorf und Peter Schaunberger (Kassiere), Dr. Thekla Weissengruber und Mag. Sandra Galatz (Schriftführer) , Rudolf Birnbaumer, OSR Christa Pauska, Martin Guntendorfer (Beiräte), tatkräftig zur Seite stehen.

Arm wäre Präsident Scheiböck, hätte er nicht so ein Team und so viele verlässliche und fachkundige Mitarbeiter und so tüchtige Vizepräsidenten an seiner Seite, die so wie er Woche für Woche draußen bei den Veranstaltungen der Verbände und Vereine sind, um ihnen Anerkennung zu zollen und das Band des Zusammenhalts und der Freundschaft zu knüpfen., genau so selbstverständlich ehrenamtlich wie alle Verbands- und Vereinsvertreter überall Land.

Ja damals! ….. Mit diesen Worten begann ich diesen Beitrag zu 20 Jahre Forum Volkskultur. Wenn ich heute an den Anfang zurückdenke überkommt mich immer ein Gefühl großer Dankbarkeit und ebenso großer Freude. Dankbar, dass ich von Anfang an dabei sein und bei der Aufwärtsentwicklung des Forums mithelfen durfte. Großartigen Menschen, von denen viele zu Freunden geworden sind, bin ich begegnet. Ihre Fähigkeiten, ihren Einsatzwillen, gepaart mit Opferbereitschaft und ihre oft so vornehme Zurückhaltung haben sie vor mir ausgebreitet, ohne aufdringliche Gesten. Unsere vielgestaltige, so bunte und farbenprächtige Volkskultur hat sich mir in zahlreichen, bisher unbekannten Einzelheiten erschlossen und wunderbare, oftmals selige Augenblicke beschert. Es wurde mir bewusst, dass Oberöster – reich, ja wirklich reich an volkskulturellen Ausfaltungen ist. Ich erlebte, wie Volkskultur und Heimat eine Symbiose bilden. Das wurde mir besonders durch Gespräche mit Menschen klar, die einst aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Da ist nichts von Gefühlsduselei zu spüren, eher schon Angst, man könnte den Heimatbegriff nicht mehr ernst nehmen. Werte beginnen wieder zu leben, weil die Wurzeln nicht verdorrt sind. Als Mensch, der sich in der klassischen Musik daheim fühlt, werde ich auch dankbar, wenn ich im rechten Augenblick die Darbietung eines unserer einfühlsamen Volkslieder erleben oder selbst mitsingen darf. Ich habe in dieser Zeit aber auch gelernt, dass sich alt mit neu verbinden lässt und neue Ausdrucksformen aus falsch verstandenem Traditionsbewusstsein nicht einfach abzulehnen sind. Wir müssen damit leben Vertreter gewisser Bevölkerungsschichten etwas geringschätzig auf uns herabschauen oder die Volkskultur grundsätzlich ablehnen. Es ist ihre Sache. Umgekehrt bin ich auch Fanatikern der Volkskultur begegnet, die nur diese gelten lassen. Schade! Weil ich mir dessen bewusst bin, dass von dem großen Kuchen der Gesamtkultur unseres Landes ein schönes Stück davon unsre Volkskultur ausmacht, bin ich einfach zufrieden, beim Backen dieses Kuchens mitgeholfen zu haben.

Noch etwas habe ich gelernt: Der Wunsch, immer und überall genannt, hervorgehoben, wenigstens nicht vernachlässigt oder von Kulturschaffenden anderer Gattung doch nicht  an den Rand gestellt zu werden, diese Haltung sollte uns nicht weiter beschäftigen. Was schön ist, Sinne und Gemüt erfreut, den zwischenmenschlichen Beziehungen dient und nicht auf primitive Effekthascherei aus ist, ist schon an sich wertvoll. Dazu bedarf es oftmals nur weniger Augenblicke, die tief berühren können. Ich denke an einen solchen: In einer schönen, gotischen Landkirche lausche ich einem Jodler, vom Organisten und der Flötistin zu Himmelsklängen verwoben, nur wenige Augenblicke, aber weit in den Tag hinein wirkend. Eine Melodie, einst einmal von einem einfachen Menschen erdacht und gesungen, und wieder gesungen. Eine unscheinbare Melodie, etwas Kleines, aber unendlich Schönes. Was ist klein, was ist groß? Meine Frau hat im letzten „Bundschuh“ ( ein periodisches Druckwerk des Rieder Volkskundehauses ) einen Beitrag gestaltet unter dem Thema „Straßenkinder – über das ungeplante Stadtgrün“. Darin führt sie aus: Ungewollt, unerwünscht, störend, Ärgernis erregend ... was für die bedauernswerten menschlichen Straßenkinder gilt, das kann man auch von den Straßenkindern im pflanzlichen Bereich behaupten. Nur – bedauernswert sind die Letzteren nicht, im Gegenteil, sie verdienen unser Staunen und unsere Bewunderung. Und dann beschreibt sie die zahlreichen Pflanzen, die sich trotz Asphalt und Pflastersteinen ihren Weg ans Licht mühsam errungen haben. Seltsam. Während ich dieses Bild weiter denke, fällt mir ein Gedicht von Emmy Grund in die Hände, das sich auch „Straßenkind“ betitelt, und sich mit dem gleichen Thema beschäftigt. Und während ich es immer wieder lese, kommt mir die Einsicht, dass es sich mit unserer Volkskultur auch gelegentlich so ähnlich verhält. Ich zitiere einige Zeilen dieses Gedichtes. Mögen sie jene trösten, die in unseren Volkskulturverbänden gelegentlich auch so fühlen, als wären sie unbeachtete Straßenkinder

Mit ein wenig Fantasie, Einfühlunsvermögen und einem überzeugenden Lächeln im Gesicht,

das Kunde gibt von der Freude so viel kleiner, unscheinbarer  Köstlichkeiten unserer Volkskultur, werden die Verse des Textes zur Melodie, die uns dankbar stimmt.

… wie tapfer du dich durchgebissen
wie verwurzelt du bist

aufblühst
wenn die Sonne sich spiegelt in deinem Gesicht.

Und gerne möchte ich den Schluss des Gedichtes als Rat weiter empfehlen:

Lobby will ich für dich sein, dich beschützen
kleine Blume an Rändern in Ritzen
lebst fraglos im Heute - den Bienen zur Freude
unbefangen, offen, blütenrein.