Akademie Forum Haus     Home Impressum Kontakt  
OÖ. Forum Volkskultur   Volkskultur im Porträt         
           
OÖ. Forum Volkskultur  

In der ersten Ausgabe von „Volkskultur im Porträt“ wurden Ehrenpräsident Kons. Prof. Hans Samhaber, Konsulentin Mag. Angela Mohr, Konsulent Josef Hirz und Berta Höller porträtiert.

Volkskultur: kennt jeder, weiß jeder, ist allgemein bekannt. Glaubt man zumindest. Die Wahrheit ist wohl eine andere. Seltsamerweise gibt es eine weit verbreitete Scheu, sich und sein Tun unvoreingenommen dem Überbegriff „Volkskultur“ zuzuordnen, auch dann, wenn eben dieses Tun klar aus dem Bereich der Volkskultur kommt. Volkskultur, der Begriff, den sehr viele verwenden, den aber keiner kennt? Es steckt mehr als ein Korn Wahrheit in dieser Behauptung, diese These sei hiermit formuliert.

Eine wesentliche Säule der Volkskultur, so wie sie in Oberösterreich gelebt wird, ist die Ehrenamtlichkeit. Die dichte Vereinsstruktur, die das volkskulturelle Netzwerk prägt, ist ohne ehrenamtliches Engagement nicht denkbar. Helfende, zupackende Hände sorgen in allen Teilen des Landes für ein Bild engagierter Arbeit. Das Tun, das nach außen sichtbare Gestalten, steht im Mittelpunkt.

Was der Volkskultur fehlt, ist die schriftlich niedergelegte Reflexion über die eigene Arbeit, die eigene Wirksamkeit, das gesellschaftliche Umfeld, in das sich Volkskultur integriert. Dieses hier beschriebene Faktum wird von der Volkskultur als solcher übrigens nicht schwerwiegend gesehen oder wahrgenommen, eher mit Schulterzucken zur Kenntnis genommen.

Der Diskurs in der Volkskultur wird vornehmlich über Fragen des Brauchtums geführt. Welches Brauchtum kann und soll in welcher Form in welcher Region ausgeübt werden? Was zählt zum Brauchtum, was ist Modeerscheinung? Das sind Themen, die mit phasenweise großer Intensität erörtert werden. Man erinnere sich nur an das Maibaumstehlen, oder an die Perchtenumzüge, um nur zwei Beispiele zu nennen. Viele dieser Fragen wird letztendlich die Zeit beantworten, wie heftig und medial unterstützt sie auch immer geführt werden.

„Volkskultur im Porträt“ versucht nun, einen neuen Weg zu gehen. Vier Porträts zeigen auf den ersten Blick vier prägende Persönlichkeiten. Sichtbar wird dadurch, dass es in jeder Gemeinschaft immer einzelne Personen sind, die voran gehen, die Schrittmacher im besten Sinn des Wortes sind. Aus der Gemeinschaftskultur, als die sich die Volkskultur gerne sieht, wird nun also erstmals die Leistung einzelner herausgelöst, ohne die diese Gemeinschaft nie zu dem geworden wäre, was sie ist. Dies ist eine der zentralen Aufgaben dieses Projektes. Es macht die Gemeinschaft an sich nicht weniger wertvoll, es verweist nur auf eine andere Ebene.

Eine zweite Aufgabe von Volkskultur im Porträt ist allerdings auch, über die Personen hinaus auf die Vielfalt des volkskulturellen Arbeits- und Aufgabenspektrums zu verweisen. Die Musik, die Heimat- und Trachtenbewegung, die Heimatforschung und die Arbeit an der institutionalisierten Volkskultur, all das sind Themen, die in den folgenden Texten angesprochen werden. Sie werfen Blitzlichter auf das, was Volkskultur in Oberösterreich zu leisten vermag, welche Dynamik ihr inne wohnt, aber auch an welche Grenzen sie teilweise stößt. Volkskultur stellt sich damit in den Kontext der kulturellen Entwicklung unseres Landes, zeigt auf, worin ihre Leistung heute besteht, welche Kraft und Energie ihr inne wohnt.

„Volkskultur im Porträt“ möchte einen Beitrag dazu leisten, Volkskultur abseits billiger Klischees und Plattitüden sichtbarer, präsenter, nachvollziehbarer zu machen. Damit die Bandbreite dessen, was aktive, gelebte Volkskultur heute ausmacht, deutlich wird.

Das Buch ist zum Preis von 10 Euro im Büro des OÖ. Forum Volkskultur erhältlich.